Jetzt geht es Trash an den Kragen – Teil 1

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Alte Blechtonnen kommen groß heraus

Wer mit geschärftem Blick über Einrichtungsmessen geht, erkennt sehr schnell, welche Anbieter sich auf seelenlos wirkende Gegenstände ausrichten und welche mit ganzem Herzblut dabei sind. Sicher ist auch vorstellbar, dass der Verkäufer von Massenprodukten mit großem Enthusiasmus bei der Sache ist, allein die Erfahrung lehrt: es geht da schon sehr viel mehr um Stückzahlen und weniger um die Begeisterung für das Ausgangsmaterial, die Idee, das Verarbeitungsknow-how und das, was das Besondere eben ausmacht.

Der Käufer, der sich strikt an Labels ausrichtet – auch das kann man im Einrichtungs- und Home Deoration Bereich mittlerweile – erhält eine entspreche Selektion, die ihm als Wieder-verkäufer/Käufer den Weg weist. Ein solches Vorgehen wird allerdings zur Sackgasse, wenn der Anbieter seinen Schwerpunkt auf eine eng gefasste Stilrichtung setzt und beispielsweise außer den Farben weiß/silber/chrom kaum etwas zulässt, was sein Angebot sinnvoll ergänzen würde. Andere Labels setzen andere Schwerpunkte und dann wird es auf einmal doch erforderlich, sich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen, was denn so im eigenen Zuhause um einen herum steht, liegt … und WIRKT.

Mixen … das sehr aktuelle Stichwort: quasi alles darf miteinander gemixt werden, im Extremfall ist ein entsprechendes Anordnen von Einrichtungs- und Dekorationsgegen-ständen nicht mehr von einer bereits beginnenden Fehlentwicklung mit potenziellem Therapiebedaraf  zu unterscheiden. Everything goes – alles ist erlaubt. Aber nicht alles, was erlaubt ist, macht auch Spass und ist – Tag für Tag – erträglich. Und wie wird man den ganzen Kram wieder los, wenn die nächste puristisch orientierte Phase beginnt? Sollte man einfach davon ausgehen, dass das, was einem morgen nicht mehr gefällt und dessen man überdrüssig geworden ist, im Müll landet?

Da gibt es zwar eine gewisse zeitliche Abfolge, was ab welchem Zeitpunkt durch wen und wo käuflich ist, trotzdem ist eine Modewelle im Einrichtungsbereich irgendwann auch einmal im Baumarkt bzw. der Discounter-Ebene angekommen. Als jemand, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten beruflich mit Einrichtungsfragen beschäftigt, war es der Autorin schon immer etwas rätselhaft, warum Gegenstände, die am Ende des Trends dann schließlich auch auf den genannten Ebenen auftauchen, dann auch noch auf eine merkwürdige Art und Weise verkitscht und zusätzlich mißhandelt worden sind. Wohlgemerkt es geht dabei um Wohndekoration, die von Beginn ihres Erscheinens auf der Bühne der Profi-Messen schon zum Massenartikeltrakt gehörte. Dass es dann doch noch schlimmer werden kann, das lässt sich ca. 2-4 Jahre später an den entsprechenden Abverkaufsstellen – wozu auch entsprechende Internetshops gehören – feststellen.

Trotzdem tut sich da auf einmal etwas ganz anderes auf, nicht nur in kleinsten Nischen, sondern durchaus in Bereichen, die das Potenzial für größere Verbreitung und Umsätze haben. Mehr und mehr Menschen wollen in ihrem Zuhause, und damit unmittelbar um sich herum, Gegenstände haben, die es ihnen erlauben, ihre eigenen Sinne einzubringen. Besonders diejenigen, die ansonsten immer weniger genutzt werden, wie beispielsweise unsere Fähigkeiten, Oberflächen, die nicht langweilig flach sind, haptisch zu erfassen.

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Dialma Brown – dialmabrown.it

http://dialmabrown.it/it/dialma-brown-interiors-and-lifestyle/

Menschen, die wenig Kontakt zur Natur haben und viele Stunden am Tag mit ihren Fingern über Glasoberflächen in Form von Screens gleiten lassen, geraten – sofern sie zu den „Nicht-Maschine-Menschen“ gehören, durchaus aus dem Takt. Füße und Hände sind auch dafür geschaffen, Informationen über Oberflächen aufzunehmen und direkt an das Gehirn weiter zu leiten. Wohnen mit einem Holzboden, der – wie hier abgebildet – Händen und Füßen Faszinierendes zu erzählen weiß, stellt da eine ausgesprochen harmonisierende Wahl dar. Dialma Brown – zwischen Piacenza und Brescia in Oberitalien gelegen – fertigt Möbel aus bereits einmal verwendeten Hölzern. Die Wirkung ist verblüffend positiv. Irgendetwas ist es, was sich von Produkten anderer Hersteller, die „altes Holz“ anbieten deutlich unterscheidet und das könnte wohl mit der besonderen Fähigkeit der Teams des Unternehmens zusammenhängen, die an die eigenen Produkte einen hohen  Qualitäts-anspruch haben – durchaus auch in Hinblick auf Kreativität und Design.

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So wird ein „altes Bett“ zu einer trendigen Angelegenheit

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Pfiffige Lösungen mit großem Effekt

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Eine Wand mit Charakter, attraktiv mit hohem Wohlfühlwert

Wir haben das Team von Dialma Brown auf der Ambiente 2016 getroffen und können aus eigenem Erleben berichten: die sind richtig motiviert und scheinen mit Freude bei der Sache.
Olena Karandieieva (li) und ihre Designer-Kollegin (deren Namen uns leider nicht bekannt ist)
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2 Kommentare zu “Jetzt geht es Trash an den Kragen – Teil 1

  1. Hello! I am Olena Karandieieva, thank you for publishing the interview. It was nice to meet you at our stand. Our designe’s name is Karin Kusenza. Is it possible to have this interview and pictures me by email?
    Hallo! Ich bin Olena Karandieieva, vielen Dank für das Interview zu veröffentlichen. Es war schön, Sie an unserem Stand begrüßen zu dürfen. Unsere Designerin Name ist Karin Kusenza. Ist es möglich, dieses Interview zu haben und Bilder Sie mich per E-Mail?

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