Jetzt geht es Trash an den Kragen – Teil 1

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Alte Blechtonnen kommen groß heraus

Wer mit geschärftem Blick über Einrichtungsmessen geht, erkennt sehr schnell, welche Anbieter sich auf seelenlos wirkende Gegenstände ausrichten und welche mit ganzem Herzblut dabei sind. Sicher ist auch vorstellbar, dass der Verkäufer von Massenprodukten mit großem Enthusiasmus bei der Sache ist, allein die Erfahrung lehrt: es geht da schon sehr viel mehr um Stückzahlen und weniger um die Begeisterung für das Ausgangsmaterial, die Idee, das Verarbeitungsknow-how und das, was das Besondere eben ausmacht.

Der Käufer, der sich strikt an Labels ausrichtet – auch das kann man im Einrichtungs- und Home Deoration Bereich mittlerweile – erhält eine entspreche Selektion, die ihm als Wieder-verkäufer/Käufer den Weg weist. Ein solches Vorgehen wird allerdings zur Sackgasse, wenn der Anbieter seinen Schwerpunkt auf eine eng gefasste Stilrichtung setzt und beispielsweise außer den Farben weiß/silber/chrom kaum etwas zulässt, was sein Angebot sinnvoll ergänzen würde. Andere Labels setzen andere Schwerpunkte und dann wird es auf einmal doch erforderlich, sich etwas mehr mit dem Thema zu beschäftigen, was denn so im eigenen Zuhause um einen herum steht, liegt … und WIRKT.

Mixen … das sehr aktuelle Stichwort: quasi alles darf miteinander gemixt werden, im Extremfall ist ein entsprechendes Anordnen von Einrichtungs- und Dekorationsgegen-ständen nicht mehr von einer bereits beginnenden Fehlentwicklung mit potenziellem Therapiebedaraf  zu unterscheiden. Everything goes – alles ist erlaubt. Aber nicht alles, was erlaubt ist, macht auch Spass und ist – Tag für Tag – erträglich. Und wie wird man den ganzen Kram wieder los, wenn die nächste puristisch orientierte Phase beginnt? Sollte man einfach davon ausgehen, dass das, was einem morgen nicht mehr gefällt und dessen man überdrüssig geworden ist, im Müll landet?

Da gibt es zwar eine gewisse zeitliche Abfolge, was ab welchem Zeitpunkt durch wen und wo käuflich ist, trotzdem ist eine Modewelle im Einrichtungsbereich irgendwann auch einmal im Baumarkt bzw. der Discounter-Ebene angekommen. Als jemand, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten beruflich mit Einrichtungsfragen beschäftigt, war es der Autorin schon immer etwas rätselhaft, warum Gegenstände, die am Ende des Trends dann schließlich auch auf den genannten Ebenen auftauchen, dann auch noch auf eine merkwürdige Art und Weise verkitscht und zusätzlich mißhandelt worden sind. Wohlgemerkt es geht dabei um Wohndekoration, die von Beginn ihres Erscheinens auf der Bühne der Profi-Messen schon zum Massenartikeltrakt gehörte. Dass es dann doch noch schlimmer werden kann, das lässt sich ca. 2-4 Jahre später an den entsprechenden Abverkaufsstellen – wozu auch entsprechende Internetshops gehören – feststellen.

Trotzdem tut sich da auf einmal etwas ganz anderes auf, nicht nur in kleinsten Nischen, sondern durchaus in Bereichen, die das Potenzial für größere Verbreitung und Umsätze haben. Mehr und mehr Menschen wollen in ihrem Zuhause, und damit unmittelbar um sich herum, Gegenstände haben, die es ihnen erlauben, ihre eigenen Sinne einzubringen. Besonders diejenigen, die ansonsten immer weniger genutzt werden, wie beispielsweise unsere Fähigkeiten, Oberflächen, die nicht langweilig flach sind, haptisch zu erfassen.

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Dialma Brown – dialmabrown.it

http://dialmabrown.it/it/dialma-brown-interiors-and-lifestyle/

Menschen, die wenig Kontakt zur Natur haben und viele Stunden am Tag mit ihren Fingern über Glasoberflächen in Form von Screens gleiten lassen, geraten – sofern sie zu den „Nicht-Maschine-Menschen“ gehören, durchaus aus dem Takt. Füße und Hände sind auch dafür geschaffen, Informationen über Oberflächen aufzunehmen und direkt an das Gehirn weiter zu leiten. Wohnen mit einem Holzboden, der – wie hier abgebildet – Händen und Füßen Faszinierendes zu erzählen weiß, stellt da eine ausgesprochen harmonisierende Wahl dar. Dialma Brown – zwischen Piacenza und Brescia in Oberitalien gelegen – fertigt Möbel aus bereits einmal verwendeten Hölzern. Die Wirkung ist verblüffend positiv. Irgendetwas ist es, was sich von Produkten anderer Hersteller, die „altes Holz“ anbieten deutlich unterscheidet und das könnte wohl mit der besonderen Fähigkeit der Teams des Unternehmens zusammenhängen, die an die eigenen Produkte einen hohen  Qualitäts-anspruch haben – durchaus auch in Hinblick auf Kreativität und Design.

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So wird ein „altes Bett“ zu einer trendigen Angelegenheit

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Pfiffige Lösungen mit großem Effekt

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Eine Wand mit Charakter, attraktiv mit hohem Wohlfühlwert

Wir haben das Team von Dialma Brown auf der Ambiente 2016 getroffen und können aus eigenem Erleben berichten: die sind richtig motiviert und scheinen mit Freude bei der Sache.
Olena Karandieieva (li) und ihre Designer-Kollegin (deren Namen uns leider nicht bekannt ist)
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Fair Trade. Nur fair ? … oder sogar: geil!

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Peru at its best:  Royal Knit

Der mehr als bekannte Werbespruch … Sie wissen schon, der mit dem Geiz … hat Generationen von einkaufenden Menschen bis heute geprägt und am Ende dazu genötigt, sich in ihrem Einkaufsverhalten stets am augenscheinlich billigsten Produkt auszurichten. Die entsprechenden „Gehirnwindungen“ in denen eine solche Ausrichtung zuverlässig verknüpft ist, konnten – nicht zuletzt durch die Forschungen von Prof. Gerald Hüther – nachgewiesen und anschaulich erläutert werden. Fair Trade, also eine Orientierung, die sich auf vollständige Kreisläufe – vom Erstimpuls beim „Urheber“ bis zum Tod des Produktes – bezieht, stützt sich zwar schon auf Aktivitäten von „Dritte Weltläden“ der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, konnte sich bis heute aber nur sporadisch in das alltägliche Konsumverhalten der westlichen Länder Europas einfügen. Die meisten Käufer, die Fair Trade als Begriff kennen, bringen ihn mit Kaffee, Bananen oder Kakao in Verbindung. Spezielle Geschäfte, die Produkte aus „fairem Handel“ exklusiv angeboten haben, rangieren in ihrem Image meist als Mix aus „Öko-Fundi-Bio-Touri-Hippie“ – Shop und werden nur von spezifisch ausgerichteten Kunden betreten.
Es ist nicht die erste Einrichtungsmesse und nicht die erste Ambiente, auf der sich der Fachbesucher davon überzeugen kann, dass ein sehr, sehr reichhaltiges Warenangebot aus Ländern präsentiert wird, die gemeinhin als Länder der „Dritten Welt“ deklariert werden. Wo diese beginnt und wo sie endet, diese dritte Welt,  … das ist eine zunehmend spannender werdende Frage, die für unsere Zukunft – als Bewohner dieses Planeten – neue Antworten finden muss. 

Eine Messe, wie die in Frankfurt/M. traditionell angesiedelte Ambiente empfängt ein weltweites Publikum, Aussteller aus ca. 100 verschiedenen Ländern präsentieren ihre Produkte und hoffen, mit den einkaufsstarken und Konsum freudigen Besuchern ins Geschäft zu kommen. Eine Themen orientierte Vorgabe sorgt in der Umsetzung dann auch für eine Hallenplanung, die bestimmte Schwerpunkte optisch in Erscheinung treten lässt. So geht der aufmerksame Besucher durch viele Gänge, an denen sich rechts und links Anbieter aufreihen, die entweder durch eher schüchtern wirkende Einzelvertreter, oder durch meist männlich dominierte „Clans“ repräsentiert werden. Kann man sich vorstellen, dass die Besitzerin einer Einrichtungsboutique aus Amorbach im Odenwald die Initiative ergreifen und in diese Welt eintreten wird, um sich das Warensortiment näher bringen zu lassen? Ein kurzer Blick des Flanierenden streift die in den dicht besiedelten Regalen aufgestellten Gegenstände und dann tut man das, was man sonst auch immer tut: man geht weiter. Auf beiden Seiten dürften häufiger auch die Sprachkenntnisse nicht ausreichen, um aus dieser kleinen Chance der Begegnung tatsächlich etwas werden zu lassen, das beiden Parteien zum Wohle gereicht.

Wenn Stecker und Steckdose nicht zusammen finden, fliesst eben keine Strom.

Aus Sicht der Anbieter ist die Messeteilnahme ein extrem teures Unterfangen, das auch als „Kooperation“ nicht einfach zu verdauen ist, wenn sich keine zumindest Kosten deckenden Geschäfte anschliessen. Alles andere, als ein Geschehen, das unbeachtet bleiben sollte. Und genau da setzt die Initiative „fair trade finest“ aus den Niederlanden an. Als ehemalige Kolonialmacht liegt es holländischen Händlern, die auch im Einrichtungsbereich nach wie vor eine starke Position einnehmen, vielleicht etwas näher, als anderen, zu erkennen, welche enormen Chancen bisher durch das geschilderte „Nicht-Kontakten“ verloren gegangen sind. Fair Trade Finest ist eine Initiative des CBI (Ministry of Foreign Affairs NL) und der ‘Landelijke Vereniging van Wereldwinkels’ (LVWW) in Kooperation mit der World Fair Trade Organisation (WFTO). Unter dem Motto: Join us and open up the mainstream market for fair trade (Machen Sie mit und öffnen Sie den Markt für Fair Trade) haben Anbieter bzw. Hersteller die Möglichkeit, sich für ein mehrjähriges Programm zu bewerben, während dessen Teilnahme sie etwas über die europäischen Märkte und Lebensweisen, den Bedarf dieser Märkte und ihre Besonderheiten, Qualitäts- und Geschmacksaspekte erfahren können. In der Folge erhalten sie aktives Coaching, ihre Produkte/Sortimente nach den gewonnenen Erkenntnissen auszurichten und Schritt für Schritt in eine geeignete Vermarktungspipeline zu kommen.

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Kleinserienprodukte auf dem Weg, den europäischen Geschmack zu treffen

Liesbeth van ´t Ende von Wereldwinkel erläutert – mit ihren Kollegen direkt auf der Ambiente am eigenen Stand vertreten – wie in einem zweiten Schritt unter denjenigen, die sich erstmals für die Programmteilnahme beworben haben, eine Auswahl stattfand, um ein möglichst gutes „Mix“ zu erhalten. Die Teilnehmer sind nun seit einem guten Jahr im Programm und haben mittlerweile Gelegenheit gehabt, einen typischen Haushalt in den Niederlanden kennen zu lernen. „Sie waren geschockt“, sagt van ´t Ende, „… sie hatten zuvor gar keine Vorstellung davon, wie beispielsweise eine Küche bei uns aussieht und welche Gegenstände hier verwendet werden.“ Der Weg begleitende und systematische Ansatz von fair trade finest wird nicht ohne entsprechende Wirkung bleiben und vielleicht lassen sich auch andere Gruppen animieren, über ähnliche Verknüpfungsoffensiven nachzudenken.

Ein Beispiel für einen Anbieter, der es aus eigener Kraft geschafft hat, sich einen international bereits wahrgenommenen Namen aufzubauen, kommt aus Peru/Lima und tritt unter dem Markennamen „Royal Knit“ auf. Auf der Ambiente stand uns Gabriela Lopez als Gesprächspartnerin zur Verfügung, die zusammen mit ihrer Schwester Mariela die Familie und alle, die im weitesten Sinne dazu gehören, repräsentieren. Eine tolle Geschichte geht dem voraus: Die Eltern, Cutipa Benita und Sebástian López haben als freiwillige Lehrer im Auftrag der katholischen Hilfsorganisation Caritas in den 70er Jahren ihre Arbeit rund um den Titicaca See aufgenommen, in dem sie die Landbevölkerung vor Ort unterstützten. Es galt, alte Kulturtechniken zu bewahren und zu sichern, denn – bis heute – ist die Gefahr vorhanden, dass mit den sich verändernden Lebensumständen Wissen verloren geht, das an die Weitergabe von Mensch zu Mensch gebunden ist. Zunächst konzentrierte sich dies auf Webtechniken und das Herstellen von Kleidung, mehr und mehr erweiterte sich das Spektrum. Royal Knit beschäftigt heute als Firma 35 Festangestellte Mitarbeiter und versorgt weitere 400 mit Arbeit, die unter „Fair Play-Bedingungen“ angesiedelt ist.
Die verarbeiteten Materialien, so sagt, Gabriela, sind wie Haare zu behandeln, … ja, sagt sie, es sind Haare und sie lächelt dabei mit den Augen in einer Weise, dass man sich von ihrer inneren Begeisterung angesteckt fühlt.

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Mariela & Gabriela Lopez von ROAYAL KNIT S.A.C. – Lima, Perú

Spätestens nach diesem Gespräch dämmert mir – als jemandem der mit den europäischen Gepflogenheiten der westlichen Länder verwoben ist – dass das „Fair“ gerade für uns eine ganz andere Bedeutung bekommt, als dies unserem bisherigen Verständnis entsprochen hat. Die im Titelbild verwendeten Baby-Schuhe sind aus Alpaka-Haar und handgestrickt. Dem Baby, das sie tragen wird, haben seine Eltern ein besonderes Geschenk gemacht, denn sie haben sich nicht an der Devise „GEIZ“ ist geil orientiert. Sie haben auf etwas gesetzt, das ein in vielerlei Weise lebendiges Produkt darstellt und nicht auf ein anonym und unter mehr als fragwürdigen Bedingungen „zusammengedonnertes potenzielles Wegschmeißprodukt“, an dem nur Negatives haftet.

Etwas Neues beginnt. WERTschätzung greift um sich.

Die Ausrichtung auf das Visuelle und auf das Quantitative waren die Treiber einer Entwicklung, die „Geiz ist geil“ erst ermöglicht haben. Am Ende stellt es sich als Betrug heraus, der Käufer hat sein Geld für etwas weggegeben, das nur vortäuscht, ein guter Kauf zu sein. Um eine ausgewogene Kaufentscheidung treffen zu können, muss man entweder das entsprechende Wissen haben, oder sich zumindest auf seine eigenen Bedürfnisse und Wahrnehmungen stützen können. Natürlich werden – um bei dem Beispiel zu bleiben – die Babyschuhe mehr kosten, als ein „Geiz-Produkt“. Die Frage aber ist: wo liegt der höhere Nutzen und wie fühlt sich dieser heute, morgen … übermorgen an … und was macht es mit dem Baby?

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Zartes Gewebe … ein Hauch von Überwurf mit optimaler Klimaregulierung

 

 

 

 

Wer hätte damit noch gerechnet: Waschbeton voraus!

Fernab von Petticoats und Elvis Presley, aber in Anlehnung und unter Zuhilfenahme dänischer Revivals der späten 50er und vor allem der 60er Jahre des nunmehr doch allmählich hinter uns liegenden Jahrhunderts bricht es durch: alles, was Architektur und Wohnstil dieser Zeitspanne in Europa ausgemacht hat, drängt nun in unser Zuhause. Hemmungslos und ungeniert, manchmal so wenig durch aktuelle Elemente, Dessins, Farben und Materialien verändert, dass für den Betrachter im ersten Moment Zweifel aufkommen kann: „echt“ oder „neu“?

Auf der gerade zu Ende gegangenen Internationalen Einrichtungsmesse IMM Cologne quollen dem Besucher Elemente der Inneneinrichtung in einer Ähnlichkeit entgegen, die offenbar wenig Rücksicht darauf nehmen wollte, ob diese Intensität ab einem bestimmten Punkt vielleicht doch nicht einfach zu viel und zu verwechselbar sein würde. Wie verabredet, konnte das wirken, obwohl wir das sicher nicht unterstellen brauchen. Natürlich lechzt ein Messebesucher – besonders der ambitionierte – nach Neuigkeiten und möchte auf einer Einrichtungsmesse Entdeckungen machen, die ihn emotinal packen und begeistern. An der Fülle der Angebote liegt es nicht, wenn der Besucher des diesjährigen Wohndesign Get-together trotzdem den Eindruck gewinnen konnte, dass etwas richtig Neues, das für Jahre Ton angebend sein würde, nicht in der Luft zu liegen scheint.

Natürlich gibt es etwas von der einen oder anderen Innovation zu berichten, da und dort wurden neue Lösungen gezeigt oder auch einmal ein Hit platziert, der durchaus das Potenzial hat, „massenkompatibel“ zu sein. Das trifft für eine Sache zu, die schon lange bekannt ist, aber nicht in dieser Gestalt. Unter dem Stichwort „Strandkorb“ hat sich ein Bild verankert, das nur wenige Fragezeichen zuläßt. Nun gibt es eine alpine Form, die ihren eigenen Charm versprüht – innen und außen einsetzbar, jedenfalls bestens geeignet, um für Groß und Klein eine stimmungsvolle Rückzugsmöglichkeit darzustellen: der Alpenkorb.

Das haptische Erlebnis beim Anfassen eines Alpenkorbes sorgt – zumindest für diejenigen, die wissen, wie sich echtes, altes und wettergegebtes Holz anfühlt, für Vertrautheit. Die Ausstattung kann individuell gewählt und durchaus auch von einer Note Luxus bestimmt werden, … oder einfach nur das Gefühl eines Mini-Zuhauses geben. Ein Produkt, wie der Alpenkorb, kann eigentlich keine Schwierigkeiten haben, Freunde fürs Leben zu finden.
Interiors on Stage – Das Haus ist seit 2012 Teil des Messeprogrammes und gibt internationalen Designern die Möglichkeit, Wohnen nach ihren Intensionen und Vorstellungen zu präsentieren. Im Jahr 2013 hatte diese Aufgabe Luca Nichetto realisiert. In „seinem“ Zuhause tauchten erstmalig viele Elemente auf, die – so oder ähnlich, in Abweichungen oder Modifizierungen – mittlerweile eine intensive Präsenz auf sehr, sehr vielen Messeständen haben. Es mag durchaus den meisten Messebesuchern gar nicht bewusst sein, wie sehr Nichetto die Referenzadresse für das aktuelle Arrangement ist, das die Leichtigkeit und Modernität eines eher mediterranen – bevorzugt italienischen – Einrichtungsstils darstellt, der in den späten 50ern und den 60ern Jahren wurzelt und der leicht und modern daher kommt, aber niemals kühl und elitär (http://news.imm-cologne.de/2012/09/das-haus-luca-nichetto/).

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Inszenierung Luca Nichetto 2013

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Die aktuelle Inszenierung „Das Haus 2016“ wurde von Sebastian Herkner entwickelt und realisiert. Er hat sich für eine Rundversion mit offenem Innenhof-Arrangement entschieden und genau da … liegt er: der Waschbeton.

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Sebastian Herkners Inszenierung „Das Haus“ 2016 (siehe auch Titelbild)

Daran gewöhnt, angesichts derartigen Bodenbelages tapfer darüber hinweg zu sehen, ist der Besucher des von Herkner gestalteten Hauses versucht, für den Bruchteil einer Sekunde irritiert und gleichermaßen verblüfft, seinen Fluchtgewohnheiten Einhalt gebieten zu müssen. Nur um dann festzustellen: na ja, ganz so unerträglich ist er ja eigentlich gar nicht, der Waschbeton! Wir werden sicher alle Gelegenheit haben, den weiteren Verlauf seines Geschicks beobachten zu können. Man könnte aber fast wetten, dass das Befürfnis nach einer robusten, naturnah erscheinenden und sich rasch einfügenden Oberfläche, die ja so praktisch ist, seinem Wiederaufleben tatsächlich „auf die Beine hilft“. (Wer sich für „Sebastian Herkners Haus“ interessiert, dem hilft dieser Link weiter: http://news.imm-cologne.de/2015/07/das-haus-2016-sebastian-herkner-setzt-ein-zeichen-der-offenheit/ )

Spannend sind immer wieder die „kleinen“ Entdeckungen, die es schaffen, den Messebesucher sofort für sich einzunehmen und deren Anblick den Adrenalin und Oxytocin-Spiegel zu erhöhen vermögen. Zu diesen Entdeckungen gehört der Liberty Chair des portuguiesichen Designers Joáo Bessa Marques, der unter dem Label BESSA – New Antique Design einen ziemlichen Aufwand betreibt, um Exquisites entstehen zu lassen. Das, was derzeit so im Vordergrund steht – das „alte“ mit dem „modernen“ so zu verbinden, dass man nicht mehr so richtig weiss, ob es denn nun alt oder neu ist, das gelingt BESSA mit dem Liberty Chair ganz besonders gut:  https://www.youtube.com/watch?v=T4AXJ21GCEc&feature=youtu.be

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Liberty Chair von BESSA

Keine Frage, die Zeiten riesiger Möbel liegen hinter uns, moderne Lebensweisen verlangen, dass sich auch Interieur blitzschnell anpassen und variieren läßt. Eher, wie zufällig zusammengestellt, leicht und luftig, mit Farben und Oberflächen versehen, die keinen eigenen Anspruch ähnlicher der einer Diva haben. Die Zeiten sind ruppig, da ist es den meisten Menschen wichtig, sich schnell und unkompliziert wohl zu fühlen. Das schliesst einen Standortwechsel genauso ein, wie das Verändern der Anzahl der Bewohner eines Zuhauses.

Stellvertretend für die ansehnliche Anzahl etablierter Anbieter möchten wir zwei heraus greifen, die den modernen Lebensgewohnheiten auf unterschiedliche Weise begegnen. Zum einen ist das LEOLUX, deren eigener „House Artist“ Olaf Hajek eine ganz eigenwillige Handschrift hat, die Natur ins Haus zu holen. Die Messeinszenierung schafft es, Rückzugsinseln zu präsentieren, die fast einen Touch ins Mystische haben.

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Für einen ganz anderen Ansatz der Auseinandersetzung hat sich das Haus Cassina entschieden.  In konsequenter Art und Weise nimmt es Bezug auf einen Entwurf des Architekten Gerrit Rietveld aus dem Jahr 1955 und demonstriert dadurch, wie „modern“ und transparent man vor mittlerweile 60 Jahren (!) bereits wohnen konnte.

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(C) Bild-u. Textrechte PPM AG, Idstein 2016 http://www.ppm-ag.com

Wohnen mit „Schminke“

Home Staging – Achtung hier wird aufgebrezelt

Sich selbst in einen für ein Gegenüber optisch interessanten Zustand zu versetzen, das ist nicht nur eine Frauensache für die, die das Gefühl haben: der „erste Lack ist ab“. Nein, auch junge Frauen und – zunehmend Männer – betrachten es als selbstverständlich, alles daran zu setzen, einen Top-Eindruck ihres äußeren Erscheinungsbildes zu hinterlassen. Viele orientieren sich an der Bilderflut der Medien, die stets neue Impulse in kürzerer Zeit setzen, für noch mehr, … noch größer/kleinere … noch bessere … noch erfolgreichere … tja, was eigentlich?! Getrieben von einem hektischen Grundrhythmus bleibt nicht sehr oft die Gelegenheit, sich mit der eigenen Persönlichkeit so zu beschäftigen, dass man über sich selbst und seine Möglichkeiten wirklich gut Bescheid weiß. Die Befürchtung, nicht zu gefallen – selbst einem Gegenüber, dem man bei nur etwas näherer Betrachtung gar keine Aufmerksamkeit schenken möchte – dominiert. Und es fehlt regelmäßig auch an einem Feedback, das ehrlich, kompetent und konstruktiv genug wäre, die Grundlinien heraus zu kitzeln, die – unabhängig von jeder Modeströmung – für eine bestimmte Person nicht verlassen werden sollten. Jede Fußgängerzone ist gespickt von „Unfällen“, die zwar eindeutig den Beleg für die Modeaffinität der/des Träger(s)IN liefern, gleichzeitig aber auch ihre/seine Hilflosigkeit, der eigenen Persönlichkeit eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen, damit auch der alltägliche Auftritt ein tatsächlich optimaler sein kann.

Labels … sollen es richten. Tun sie aber nicht! Und sie können es auch gar nicht, das ist eine überhöhte Erwartung. Natürlich gibt es „Labelkundige“, die sofort in der Lage sind, bei der Trägerin einer Kelly-Bag ein Preisetikett zu erkennen, obwohl dieses nicht tatsächlich zu sehen ist. Sie taxieren das Outfit ihres Gegenübers in Sekunden und entsprechend löst es bei ihnen eine interessierte oder abwehrende Haltung aus, je nachdem, wie ihre Rechnung ausgefallen ist. Solange man auf diese Art und Weise auf Augenhöhe bleibt, mag das ein vergnügliches Spiel sein. Dient dieses Abchecken aber lediglich der Einschätzung vermeintlicher materieller Potenz der Beteiligten, bleibt allzu häufig alles andere, was eine Person ausmachen kann, gänzlich unberücksichtigt. Und das bleibt dann selbst in den Fällen für eine Weile so, in denen eine derart zustande gekommene Beziehung zwischen den Beteiligten, aufrecht erhalten wird. Bis man eines Tages entdeckt: das, was man hinter dem Label vermutet hatte, ist gar nicht vorhanden …! Trennung. Weiter …

Soweit das Spiel mit dem ersten Eindruck zwischen vorrangig „urban people“, Menschen, die dicht gedrängt mit anderen leben und auch aus diesen Gründen – vielleicht eher unbewusst – stets nach Möglichkeiten suchen, zwei Dinge zu signalisieren: ich bin BESONDERS und ich bin VORN mit dabei. Was aber haben solche und ähnliche Verhaltensweisen mit einem Zuhause bzw. dem Thema Wohnen zu tun?

Da hat es in der Tat in den letzten Jahren einen enormen Sprung gegeben: Labels spielen mittlerweile auch im Wohnbereich eine zunehmend größere Rolle. Schnelle Wechsel in der Einschätzung, wie man wohnen „muss“, wie es aussehen sollte, wenn man modern und hip wohnt und was Style bedeutet, hat in der Zwischenzeit einen derart hohen Stellenwert eingenommen, dass die substantielle Beurteilung einer Immobilie dagegen auf eine Randposition zu rutschen droht. Wir sprechen nicht von Deko-Artikeln, mit denen man im Verlauf des Jahreskalenders sein Zuhause stimmungsvoll gestaltet. Wir sprechen tatsächlich vom Kauf von Immobilien in nahezu allen Preisklassen – Häuser und Eigentumswohnungen, die sich an modischen Kriterien messen lassen müssen. Für nur wenige Käufer ist es wichtig, was der Energieausweis über die Immobilie auszusagen im Stande ist, ja viele Käufer zeigen sich schnell ungeduldig und gelangweilt, sich mit derartigen Themen konfrontiert zu sehen. Befinden sich in der – offenen (!) – Küche aber die richtigen Labels an den Geräten und natürlich auch dem Side-by-side-Kühlschrank, dann kann man da als Käufer schon über viele andere Aspekte locker hinweg sehen.

Ja, natürlich ist jeder berechtigt, Entscheidungen zu treffen, die sich auf die Dauer längerfristig für ihn materiell auch ungünstig darstellen können. Im Zusammenhang mit Immobilien ist das aber in einem Rahmen angesiedelt, die den Fehlkauf eines Kleidungsstücks um ein Tausendfaches übertreffen können.

Das Titelbild und das hier folgende zeigen denselben Raum. Der Unterschied der beiden Fotos: das Titelbild zeigt den Raum in „aufgebrezelter“ Form, das untere zeigt ihn „pur“.

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… die Ausgangssituation zu oben

Aus vornehmlich USA und Schweden importiert, beginnt sich auch in Deutschland zunehmend eine Dienstleistung zu etablieren, die allgemein als  Home Staging bezeichnet wird. Eine zum Verkauf stehende Immobilie wird „auf die Bühne gebracht“, herausgeputzt und im besten Licht gezeigt. Diese Dienstleistung wird nicht nur bei Häusern und Wohnungen eingesetzt, die schon älter und eben nicht mehr modisch sind, sondern durchaus auch bei uniformen Neubauten, die sich als völlig gesichts- und konturenlos darstellen können und schnell austauschbar wirken. Hinzu kommt der Aspekt, dass immer mehr Kaufwillige von sich selbst sagen, sie könnten Räume in Hinblick auf Größe, Ausrichtung, Nutzbarkeit und eben auch Gestaltung ganz schlecht einschätzen. Und: besonders attraktiv wirken leere Zimmer auf keinem Foto – gleich, wie modern oder unmodern eine Immobilie ist.

Abhängig vom Selbstverständnis des Home Staging Anbieters beinhaltet die Dienstleistung sowohl das Aus- und Aufräumen, De-Personalisieren (alles allzu Persönliche der Bewohner wird entfernt), das Schaffen einer verkaufsfreundlichen Atmosphäre durch eine geeignete Möblierung und auch das Anfertigen entsprechenden Bildmaterials (Fotos und Videos). Einige wenige sind bereit, auch kleinere Reparaturen und Renovierungen durchzuführen bzw. zu beauftragen. Für den Auftraggeber – in der Regel der bisherige Eigentümer der Immobilie – ist es wichtig, sich vor Auftragserteilung davon zu überzeugen, ob der Home Stager ein individuelles und der Vermarktung wirklich dienliches Konzept ausarbeiten kann, oder ob es sich mehr um einen Ansatz wie: „Das wird immer sehr gerne genommen …“ handelt.

Kein Zweifel: immer mehr Immobilien, für die kein attraktives Bildmaterial besteht, fallen von vornherein bei den Suchenden durch, entsprechend langweilig wirkende Angebote werden eben nicht angeklickt oder sehr schnell wieder weggeklickt. Auch hier ist alles „Klickrate“ … nur dass es sich eben nicht um eine Kaufentscheidung a la On-line-kaufen handelt und es nicht um ein paar Schuhe geht, die man bei Nichtgefallen kommentar- und folgenlos wieder zurück schicken kann.

Während Home Staging Dienstleister häufig das Argument nutzen, eine „ge-stagte“ Immobilie sei für einen maximalen Preis zu verkaufen, wird dabei gerne außer Acht gelassen, dass der Beweis für diese Aussage im Bereich des „Fühlens“ liegt, aber nicht wirklich beweisbar ist. Es leuchtet ein, dass sich Käufer, die nun seit mehreren Generationen zunehmend auf visuelle Wahrnehmung trainiert sind und sich an „modischen Ansagen“ orientieren, nicht lange mit einem ihnen entsprechend unattraktiv erscheinenden Angebot aufhalten wollen. Das Verkaufen über die Kleinanzeige soll zwar immer noch gelegentlich erfolgreich sein, aber auch hierzu gibt es kein belastbares Zahlenmaterial.

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Fototapete im Wohnzimmer mit Alltagsmöbeln aus verschiedenen Moden

Sollte man sich als Immobilienkäufer von aufgebrezelten Angeboten mit schönen Fotos fernhalten und lieber die Aschenbrödel auskramen? Nein, so absolut lässt sich das nicht handhaben.

Bevor man sich der Gefahr des „Shoppens“ hingibt – manche Suchende sind Jahre unterwegs und kommen über den ersten Besichtigungstermin einer Immobilie einfach nicht hinaus – lohnt es sich schon, erst einmal eine Einkaufsliste zu machen und zwar BEVOR man seine Suche beginnt. Suchen zwei Personen, sollte jeder seine eigene Liste erstellen und im Abgleich kann es durchaus Überraschungen geben, weil sich herausstellt, dass die zuvor angenommene Einigkeit dann doch gar nicht so deckungsgleich ist, wie man dachte.

Priorität sollte der Aspekt haben: gehen wir davon aus, dass wir die Immobilie für den Rest unseres Lebens behalten – wollen und auch können, kaufen wir also ganz für uns alleine, oder: halten wir es für möglich, dass wir die Immobilie auch wieder verkaufen. An dieser Stelle wird sehr rasch und zwingend deutlich, dass Kriterien, die gerade modisch sind, schon in wenigen Jahren dies nicht mehr sein können, da Moden rasch wechseln. Das betrifft sowohl den Baustil, als auch Aspekte wie Grundrisse, Fenster, Fußbodenbeläge, Bad- u. Küchenausstattung. Es wäre ein  zusätzliches Investment – oder ein überdurchschnittlicher Preisnachlass (bis hin zur Unverkäuflichkeit) nötig, um die modischen Relikte der Phase(n) zu „überwinden“, die zum Zeitpunkt des Wiederverkaufs eben ein Handicap darstellen. Hinzu kommen alle Kosten, die durch eine normale Alterung der Immobilie zu kompensieren sind, denn auch Bausubstanz-Themen (beispielsweise Dämmung, Heizung, Baumaterial) kommen heute schneller in die Jahre, als je zuvor.

Muss man sich dann für völlig langweilig erscheinende Angebote interessieren, um kein zusätzliches Risiko einzugehen? Nein, das ist gar nicht erforderlich. Sie sollten sich bei Ihrer Suche nur nicht von allzu oberflächlich positionierten und aufgesetzten Dekos täuschen lassen. Dass ein Bodenbelag nicht mehr „in“ ist – wie auf dem Bild oben zu sehen, ist nicht tragisch, denn es gibt heute fantastische neue Materialien, die dünn auftragen, optimal für „Bestandsimmobilien“ (so heißen Gebrauchte im Fachjargon) geeignet sind und die sehr rasch dafür sorgen können, dass Sie damit wieder auf die Höhe der Zeit kommen. Ein gutes Home Staging ist eine Investition, die der Verkäufer macht, weil ihm selbst die Immobilie etwas wert ist und so gesehen, kann eine entsprechend vorbereitete Immobilie auch Ihnen als Suchenden helfen, die wichtigsten Kriterien einer speziellen Immobilie zu erkennen und wert zu schätzen.P1120176.JPG

Glück „At Home“ oder: Deko an die Front

Ambiente 2014

Rhein-Main ist Gastgeber für viele Messen. Die gerade stattgefundene Ambiente bezeichnet sich als weltweite Nummer 1 für Produkte rund um den gedeckten Tisch, Küche und Hausrat, Geschenk- und Dekorationsartikel sowie Wohnkonzepte und Einrichtungsaccessoires: 144.000 Fachbesucher aus 140 Ländern, mehr als 4700 Aussteller. Bezogen auf den privaten Konsum in Deutschland hat der private Einrichtungsbedarf mittlerweile eine Größenordnung von 40,4 Mrd. Euro jährlich erreicht (Zahlen aus 2012, ermittelt vom IFH-Institut für Handelsforschung im Auftrag der Messe Frankfurt). Das entspricht einem knappen Drittel des Umsatzes der Automobilindustrie im Vergleichszeitraum (Inland, 128 Mrd. Euro nach statista) und lässt erahnen, wie viel „Markt“ im Thema Wohnambiente tatsächlich steckt.
Bei diesen Größenordnungen darf man davon ausgehen, dass sich der Bedarf nach Dekorativem für das Aufrüsten der eigenen vier Wände nicht im Saisonalen (Ostern, Weihnachten etc.) erschöpft. Allerdings konnten wir keine Angaben recherchieren, die sich auf die Verweil- und Nutzungsdauer  von Gegenständen  beziehen, die zur persönlichen Ausgestaltung von Wohnungen und Häusern ausgewählt werden und vermutlich wurde auch noch nicht untersucht, ob und welchen Einfluss das Thema Nachhaltigkeit bereits auf den Interior-Bereich hat.
Unsere persönliche Beobachtung hat sich in den letzten Jahren dahingehend verfestigt, dass die Schnelligkeit, mit der Wohn-Moden wechseln, enorm zugenommen hat. (Das bezieht sich mittlerweile sogar auf die Werthaltigkeit von Immobilien und die schnell wechselnden Vorlieben modisch orientierter Kaufinteressenten, die ihr Interesse mehr und mehr auf den urbanen Raum richten.) Während beispielsweise noch auf der diesjährigen IMM in Köln durchaus überdimensionierte Leuchten (-schirme) häufiger zu sehen waren, sind diese auf der Ambiente kaum noch anzutreffen gewesen (ca. 1 Monat zeitlicher Abstand). Hingegen hat sich der Einrichtungsstil, den Luca Nichetto auf der IMM 2013 durch seine Version „Das Haus“ präsentierte (wir berichteten darüber im Beitrag Jan 2014), mittlerweile zu einer Art von Tsunami entwickelt. Um beim Beispiel Leuchten zu bleiben: diese sind nun klein, organisch geformt, geflochten bzw. Korb artig und hängen fast ausnahmslos in Gruppen. Wenn kein Pflanzen (-ähnliches) Material verarbeitet wurde, dann sprechen wir von Silber, Messing oder Kupfer, oft auch mit orientalischem Touch.
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Der trendorientierte und –suchende Besucher der Ambiente sah sich in diesem Jahr – mehr als in den letzten Jahren – vor die Frage gestellt: Wo ist denn nun die Grundströmung und in welche Richtung entwickelt sich der Wohngeschmack erkennbar, der uns in den nächsten Jahren begleiten wird? Die kurze Antwort lautet:
Everything goes! 
Die etwas präziser ausgebildete Antwort würde darauf verweisen, dass Trends, die man meint wahrzunehmen, sobald man sie etwas näher betrachtet, sich sofort mit anderen Trends vermischen  – sich vermischen lassen – und dadurch neu akzentuieren. Während unter einem Klassiker wie „Landhausstil“ eine weitgehend eindeutige Zuordnung von Wohnaccessoires vorgenommen werden kann, ist das bei dem aktuell präsentierten Angebot längst nicht mehr so klar. Natürlich gibt es nach wie vor zuverlässige Annäherungsmöglichkeiten, einen roten Faden in die Hand zu bekommen und damit die ersten Schritte zu absolvieren. Nehmen wir ein Thema wie Nordic/Danish, das scheint sicheres Terrain. Aber plötzlich gibt es jetzt dort riesige, farbige Poufs, gestrickt und in Formen, wie sie gerade auch für die oben beschriebenen Lampen IN sind. Diese Poufs passen natürlich auch zu ganz anderen Wohnstilen, und zwar völlig anderen. Die Frage ist: wie viel Nordic/Danish „nimmt man mit“ und ab wann handelt es sich einfach nur noch um ein Sammelsurium, das mehr Unruhe entstehen lässt, als es erträglich sein kann?
Das von der Messe Frankfurt beauftragte Stilbüro bora.herke.palmisano bietet durch vier jeweils voneinander abgegrenzte Erlebniswelten Hilfestellung, wie die überbordende Vielfalt segmentiert werden kann.
Eigenwillig: Stunning temper – fantasievoll und skurril
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Quelle: Bildarchiv Messe Frankfurt, Ambiente 2014
Erlesen: Subtle spirit – ästhetisch und harmonisch
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Quelle: Bildarchiv Messe Frankfurt, Ambiente 2014
Ursprünglich: Serene nature – natürlich, schlicht und unaufdringlich
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Quelle: Bildarchiv Messe Frankfurt, Ambiente 2014
Funktional: Striking mind – markant und eher geometrisch
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Quelle: Bildarchiv Messe Frankfurt, Ambiente 2014

Interessant ist, dass sich diese Trendbotschaften an ein internationales Publikum richten und keinesfalls lediglich auf den deutschen Käufer zugeschnitten sind. Wir haben bereits an anderer Stelle mehrfach kommentiert, dass auch zunehmend Immobilien ohne einen kulturell/regionalen Kontext gebaut werden, sondern weltweit unter der Kategorie MODERN rubrizieren. Vereinfacht könnte man sagen: eine Blue Jeans wird überall auf der Welt getragen und in welcher Form sie gerade angesagt ist, entscheiden die Mode Ikonen, die aktuell im Fokus stehen. Das Thema Wohnambiente scheint immer mehr ein modisches zu werden und dabei eben auch ein internationalisiertes.

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Ein weiterer Schlüssel, die aktuellen Wohntrends für eine nicht ganz so kurze Zeitspanne, zutreffend einzuschätzen, kann möglicherweise durch die Ergebnisse der im Auftrag der Messe Frankfurt durchgeführten Studie des IFH Instituts für Handelsforschung (erschienen zur Tendence 2013) genutzt werden. Hier wurde die unterschiedliche Orientierung von 20-30 jährigen und 50-60 jährigen in Hinblick auf das Thema persönliche Auswahl und Bedeutung von Wohnaccessoires untersucht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Jüngere zum Auf-u. Ausbau ihres Selbstwertgefühls durch Individualität und Funktionalität ihrer Einrichtung punkten wollen („Hauptsache es sieht gut aus und es hat nicht jeder.“), während die Älteren hochwertige und nachhaltige Produkte auswählen, um ihrem Bedürfnis nach innerer Zufriedenheit und Ausgeglichenheit entsprechen zu können („Neben der Familie das Wichtigste (das Wohnen, Anmerk. d. Red.) im Leben.“). Die Studie geht davon aus, dass die Bedeutung von Dekorations- und Einrichtungsartikeln weiter zunehmen wird und kommt abschliessend zu folgender Einschätzung: „Das eigene Zuhause wird erst durch die persönliche Dekoration gemütlich und wohnlich. Sie trägt damit einen entscheidenden Teil zum Abschalten vom stressigen Alltag und zur Entspannung bei.“ Das klingt nicht wirklich revolutionär, ja fast langweilig.

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Mach Dir Deine Welt, wie sie Dir gefällt
Alles begann einst in der Höhle, die uns vor grobem Unbill schützen musste. Das, was Unbill ist, hat sich in vielen Tausend Jahren schon etwas modifiziert, aber das Empfinden der Bewohner scheint nach wie vor sehr ähnlich zu sein. Eine moderne Vorstellung vom privaten Wohnen bildete sich übrigens erst Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich aus, als es bei denen, die es sich leisten konnten, schick wurde, bequem und für sich zu wohnen – im Gegensatz zu „repräsentativ und mit vielen zusammen“ (Adel). Der Sinn fürs Private und eine gewisse Intimität liess die Zimmer kleiner werden und die Funktion der Räume der heutigen vergleichbarer. Dieser völlig neue Wohntrend ging mit der Geburt der Kleinfamilie einher, die in der heutigen Zeit zu ca. 75 % aus 1-2 Personen pro „Privatsphäre-Einheit“ besteht. Wer sich vor Augen führt, dass das Recht auf Individualität im Grunde eine gute Sache ist, … der kann dann auch mit einem hoch individualisierten und rasch wechselnden Wohnstil keine Probleme haben. Vorausgesetzt: nicht die Labels diktieren, was darunter zu verstehen ist.

Hier können Sie uns im Nachhinein ein wenig über die Messe begleiten:

NATÜRLICH. FARBIG. UNAUFGEREGT. Moderate Trends spiegeln das aktuelle Wohnambiente

Die imm 2014 aus unserer BrilleBild
 
Fast erscheint es, als hätte man an allen Stellschrauben lediglich etwas gedreht: Tische sind auf einmal noch ein wenig länger, Leuchten treten eher zu Mehreren auf, hängen seltener solitär. Erdige Farbtöne erhalten zur Belebung haptische Effekte und da, wo Farbe gewollt ist, ist diese eher warm, pudrig und oft in den Farbpaletten der 60er angesiedelt.  Akzente, die Luca Nichetto im letzten Jahr durch seine Version Das Haus gesetzt hatte, haben offenbar mehr beeindruckt, als zu erwarten gewesen wäre. Plötzlich ist er überall wieder zu erkennen, der besondere Esprit, der von seiner Selektion ausgeht.  
 
Wer die italienisch/dänischen Einrichtungswelten der 60er noch aus seiner eigenen Jugend kennt, reibt sich die Augen und kann nicht anders, als sich amüsiert erinnert zu fühlen. Diese Wohnwelten sind nicht kalt und protzig. Sie sind freundlich, luftig und spielen mit dem Anordnen von kleinen Möbeln. Während DER Tisch im Wohn-Ess-Küchenbereich mittlerweile länger geworden ist, als es manch ein Grundriss vertragen kann, sind im Gegensatz dazu alle anderen Tische zu Tischchen mutiert. Wer das Glück hat, auf begehbare Schränke und ähnlichen Stauraum zurück greifen zu können, kann sich Regale und kleine Kommoden – fast putzig oder filigran erscheinend – in seinen Wohnbereich stellen und diese Standorte jederzeit auch leicht verändern. Wie zufällig und ein wenig zusammen gewürfelt wirken die Arrangements, die die um Innovation bemühten Aussteller präsentieren. Am Ende passt alles doch zusammen. 
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Das endgültige AUS für die Wohnzimmerschrankwand
 
Die Trendforscherin Li Edelkoort hat bereits vor mehreren Jahren ein neues Nomadentum angekündigt. Die Verweildauer an einem Standort wird für viele Menschen – gewollt oder ungewollt – immer kürzer. Das bedeutet häufigere Wohn-Wechsel, die durchaus auch Kultur übergreifend sein können. Auch derjenige, der zwar nicht seinen Wohn-Standort verändert, dafür aber öfter Lust auf einen anderen Lebensstil entwickelt, möchte dies rasch und mühelos umsetzen können. Eine dritte Triebfeder, die gegen eine auf lange Sicht ausgerichtete Wohnwelt spricht, ergibt sich durch das persönliche Beziehungsgeflecht (Partnerschaften/Familien), das heute schneller neue Voraussetzungen schafft, die dann unmittelbar auf das Thema „Wohnen“ Einfluss nehmen. 
Auf der imm 2014 präsentieren sich viele Lösungsvorschläge, die genau in diese neuen Lebensumstände hinein passen. Denn wenn es zu einer Veränderung kommt, muss ein Umzug rasch und kostengünstig zu bewerkstelligen sein. Während einige Lieblingsstücke alle Umzüge überdauern werden, gibt es aber auch Gegenstände, die es nicht lohnt, teuer transportieren zu lassen. (Bis auf den Riesen-Tisch ist das alles stimmig. Wahrscheinlich freut sich dann einfach der nachfolgende Bewohner, dass er schon vorhanden ist.)  
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Das Entschleunigungs-Haus von Louise Campbell
 
Um es vorweg zu nehmen: wir sind heute schon gespannt, ob die gezeigte Interpretation ebenfalls einen solchen Nachhall erfahren wird, wie das bei Luca Nichetto der Fall ist. Damit soll nicht ausgedrückt werden, dass uns das Haus nicht gefallen hat, sondern viel mehr, dass es zur Kategorie „unaufgeregt“ schon einen erheblichen Beitrag leistet. Doch sehen Sie selbst: 
 
 
 Louise Campbell räumt dem Thema „Betten“ einen erheblichen Stellenwert ein. Und da könnte sie insofern richtig liegen, als plötzlich überall Nest ähnliche Liegeflächen – bis hin zu Boxspringbetten (amerikanische Betten) – vertreten sind, sich förmlich in den Vordergrund drängen. Ganz persönliche Rückzugsorte, die in der eigenen Wohnung vorhanden sind, werden offenbar immer wichtiger, um den Anforderungen des Alltags Paroli bieten zu können. Und der Übergang vom Wohnsofa zum Liegesessel zum Schlafsofa gelingt nahtloser, als dies bisher der Fall war. Am Ende spricht auch dieser Trend für eine Entwicklung, die die Innenflächen von Immobilien immer fliessender ineinander übergehen lassen und Wände mobil oder obsolet macht. 
 
Als unabhängige Immobilienberater für Bestandsimmobilien sind wir auf diese neueren Entwicklungen „gut zu sprechen“. Denn Immobilien, die wir zum Verkauf anbieten, haben zuvor unsere engmaschige, hausinterne Prüfung überstehen müssen, sonst nehmen wir den Verkaufsauftrag nicht an. Zu dieser Prüfung gehört auch der Komplex: Zu welchem Lebensstil passt die Immobilie und wie kann sie stimmig revitalisiert werden. Und immer wieder unser Plädoyer: Kaufen Sie Qualität, die zu Ihnen passt und auch Ihre Veränderung(en) zulässt.
 
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3 D  – Die Drucker kommen
 
Vielleicht nicht für alle Messebesucher im Fokus, aus unserer Sicht aber extrem wichtig: unsere Alltagswelt wird sich in den nächsten Jahren nicht zuletzt durch den Einsatz von 3D-Druckern  erheblich verändern. Einige Hochschulen – darunter die Hochschule der Bildenden Künste Saar – waren mit sehr engagierten Studenten auf der Messe in Aktion zu sehen. Plötzlich kommen aus einem solchen Drucker Gegenstände, beispielsweise aus Porzellan, die in ihrer Feinheit, Strukturintensität und Vielfalt niemals manuell hergestellt werden könnten. Am Ende ein kreativer Demokratisierungsprozess, der ganze Branchen verändern wird (mittlerweile gibt es 3D Drucker, deren Preis deutlich unter 1000 US dlrs angesiedelt ist). 
 
 
Unser Lieblingsaussteller auf dieser Messe: Leolux
 
Vielleicht kennen Sie das von eigenen Messebesuchen: nach einer Weile beginnt man sich zu fragen, warum sich manche Aussteller der Mühe unterziehen, überhaupt auszustellen. Zu viel „Me too“, zu viel Austauschbares, zu viele Lieblosigkeiten. Unser Herzens-Favorit war diesmal eindeutig Leolux. Der Stand war so stimmig und fein abgestimmt, dass der Besucher in eine eigene Welt abtauchen konnte. Ein wenig spiegelt sich das auf der Website von Leolux wider. Toll, dass es das Unternehmen schon 80 Jahre lang gibt!  
 
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 Und hier können Sie unseren Messebesuch hautnah mitverfolgen: http://youtu.be/BXZKuEJwVik

 
  

 

Probewohnen mit echtem Apfelkuchen

Selten gelingt es, ein älteres Haus – drücken wir es erst einmal so aus – derart stimmig und wertig in die moderne Welt zu holen, dass es nicht wie ein Museum wirkt (und auch so riecht), nicht plüschig peinlich ist und auch nicht voller Widersprüchlichkeiten, die am Ende nur Raum für Sarkasmus und Disharmonie bieten. Vintage ist derzeit „angesagt“ und in manchen Wohnmagazinen wird eine Konzept lose Ansammlung von Einzelelementen entsprechend präsentiert. Wer aber, so stellt sich die Frage, fühlt sich davon wirklich angesprochen und kann in einer solchen Umgebung nicht nur „abhängen“ – wie das umgangssprachlich formuliert wird – sondern tatsächlich auftanken? Da sind wir auf ein Angebot aufmerksam geworden, dass mehr mit seinen Besuchern macht, als diesen vor dem Besuch klar war. Und wer vielleicht schon an anderer Stelle von unserem Plädoyer für eine „Dritte Haut“, die passen muss, gelesen hat, wird verstehen, warum wir Ihnen dieses faszinierende Gesamtpaket präsentieren möchten:

Anna Blank ist nicht nur ein Café. Es ist eine geballte Ladung Emotion.

Das Haus "Wiesbadener Strasse 61" zeigt sich authentisch: modernisiert, aber ohne Stilbruch

Das Haus „Wiesbadener Strasse 61“ zeigt sich authentisch: modernisiert, aber ohne Stilbruch

Lange hat die Inhaberin Elena Birkel überlegt, ob sie es tatsächlich aushalten könnte, dass Fremde in ihren privaten Lebensbereich kommen, denn sie und ihre Familie wohnen im Obergeschoss des exzellent modernisierten Gründerzeit-Unikats in Idstein. Neben den eher zwischenmenschlichen Bedenken spielte die Familie auch mit der Überlegung, wie diese fremden Menschen wohl mit dem besonderen Haus umgehen würden und ob es gelingen würde, deren Achtsamkeit für das Echte der wundervollen Materialien zu gewinnen.  Wer Elena Birkel persönlich gegenüber sitzt, weiß aber auch schon so, ohne von der kürzlich erfolgten Eröffnung in der Immobilie „Wiesbadener Strasse 61“ zu wissen, dass ihr eine andere Entscheidung, als die, sich für Gäste wirklich zu öffnen, gar nicht möglich war. Eine ganz besondere Geschichte rankt sich zudem um das Angebot, für „andere Menschen offen zu sein“ (so formuliert es Elena selbst) und das Café Anna Blank, das zwar schon einige Jahre existiert, aber jetzt erst sein Zuhause gefunden hat.

Doch begleiten Sie uns zunächst auf einem kleinen Abstecher. Veränderte Lebensgewohnheiten lassen Menschen immer enger mit ihren elektronischen Kommunikationsmitteln in Verbindung sein, statt mit einem „echten“ Gegenüber. Es gibt witzige Fotos, die zeigen, wie man zwar gemeinsam an einem Tisch sitzt, jeder dabei aber auf sein Smartphone starrt, statt dem Sitznachbarn ins Auge zu blicken. Die neue Lebensweise ist „Snack-“ und „Genussorientiert“ – vorausgesetzt, die Angebote sind 24 Stunden verfüg- u. abrufbar. Gastroberater sprechen von „Third Places“, an denen dann – sozusagen im Nebenbei – konsumiert wird, ein Teil des persönlichen Wohnens findet öffentlich statt. Diesem weltweiten Trend kommen Angebote entgegen, die wohnlicher und individueller sind – international agierende  Gastroketten haben das längst für sich erkannt und umgesetzt –  als dies in der Vergangenheit der Fall war. Privates Wohnen – und damit ein Stück vom eigenen Zuhause – wird mehr und mehr mobil, temporär  und öffentlich, Angebote, die diesen Entwicklungen entgegen kommen, bedienen daher Grundbedürfnisse auf neue Art und Weise.

Elena Birkel hatte keinen Gastroberater zu Rate gezogen, um ein artifizielles und möglichst profitables Konzept auszutüfteln, wie man noch mehr Menschen in ein Café locken und dazu bringen kann, ihr Geld auszugeben.  Genau genommen hat sie nicht nur einen gegensätzlichen Ansatz, sondern sie verkörpert sehr stimmig all das, was „Wert & Inhalt“ bedeuten kann. Und dies wird dem Gesprächspartner sehr rasch deutlich, weil sie auf eine sehr lebendige und glaubwürdige Art und Weise mit Eindrücken aus ihrer Kindheit so verbunden ist, dass sie davon unbeschränkt schöpfen kann. Anna Blank, die Großmutter Elena Birkels, ist im Alter von 78 Jahren gestorben, Elena war damals aber erst 11 Jahre alt. Diese frühen Jahre hat sie intensiv mit ihrer Großmutter verbracht, die der kleinen Enkelin sehr Wesentliches zu teil werden lassen konnte. Kleine Sträuße aus Stiefmütterchen, Veilchen oder Margeriten, die sie zu binden lernte, verteilten die beiden im ganzen Haus. Geruch, Farben, die stille Freude, sich auf die Natur einzulassen, … das hat sich für immer in Elena festgesetzt und ist heute einer der Speicher, aus der die Energie kommt, um ihr ungewöhnliches Angebot überhaupt machen zu können. Alle Kuchen und Torten sind nicht nur hausgemacht, sondern entstehen nach Rezepten, die zum Familienschatz gehören und die auch die längst erwachsene Elena nur in kleinen Dosierungen und erst in den letzten Jahren von ihrer Mutter erhalten hat. Äpfel, Beeren, Zwetschgen und andere Obstsorten kommen aus dem eigenen Anbau und haben weder künstlichen Dünger noch Pestizide gesehen. Elena Birkel verwendet nur die besten Produkte und so erhalten ihre Gäste unverwechselbare und nicht nachzuahmende Köstlichkeiten. Als liebevolle Referenz an ihre Großmutter, die zeitlebens selbst den Wunsch hatte, einmal ein Café zu führen, das an den großbürgerlichen Salon ihrer eigenen Mutter erinnern sollte, gab Elena Birkel ihrem Café  den Namen der geliebten Großmutter, die ihr vor allem verständlich machen konnte, wie wichtig es ist, sich freuen zu können.

Die Großmutter wäre hellauf begeistert vom heutigen „Anna Blank“, denn die über so viele Jahrzehnte existierende Immobilie ist innen und aussen ein lebendiges, die Sinne forderndes Haus. Der Mitteleuropäer, der weiß, was ein Kachelofen beispielsweise mit einem „macht“, dessen Sinne assoziieren sofort eine besondere Wärme, Wohlbefinden, Duft, Zuhausegefühl. Die wunderschönen Betonfliesen sind ein Angebot, das nach historischen Mustern zwar heute gefertigt wird, weit ab aber von der grauen Großformatfliese mit Schieferoptik vom Baumarkt liegt. Das Treppenhaus, die Holztreppe, überhaupt alle Holzeinbauten geben Flair und lassen uns auch ein wenig Gast sein in einer Zeit, die dem Einzelnen offenbar eine Menge zu geben hatte. Der Besucher, der bisher Berührungsängste mit „alten Häusern“ hatte, gewinnt hier – schmerzfrei – eine neue Erfahrung. Und vielleicht wird diese ihn dazu führen, beim Immobilienkauf nicht automatisch auf das Etikett „neu“ zu setzen, sondern auch einmal zu überlegen, wie alterungstauglich sich eine solche Immobilie erweisen und wie viel Flair sie dabei entwickeln würde. Denn darauf alleine kommt es an: was macht die „Dritte Haut“ mit uns.

Nur so kann man einen echten Apfelkuchen mit allen Sinnen geniessen

Nur so kann man einen echten Apfelkuchen mit allen Sinnen geniessen

Auf verhältnismäßig kleiner Fläche ist eine trotzdem großzügige Aufteilung gelungen

Auf verhältnismäßig kleiner Fläche ist eine trotzdem großzügige Aufteilung gelungen

Das Nordost-Zimmer kommt etwas „wärmer“ daher und gibt sich „erdig“

Einer der drei Gasträume, angenehm „unplüschig“

Café Anna Blank

Wohlfühlen hat auch etwas mit Haptik zu tun

Das Haus weiß den Besucher sofort für sich einzunehmen

Original Fenster – Innen und Aussenansicht